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Der Kritiker

Band 269 Min. Lesezeit

Die Spaltung

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Modul V · Die Wirkung


Lernziel

Nach diesem Band kennst du Lands Weg nach dem Zusammenbruch und die politische Position, die daraus wurde. Du weißt, was die Neoreaktion behauptet, woher ihr zentrales Begriffspaar stammt und welche Rolle Land darin spielte. Und du kennst die Antwort auf die Frage, die dieser Lehrgang seit Band 10 vor sich herschiebt, ob das späte Denken aus dem frühen folgt.

Darstellung

Um die Jahrtausendwende verschwand Land aus dem akademischen Betrieb. Was folgte, ist in Umrissen bekannt und in Einzelheiten nicht. Ein Zusammenbruch, ein Rückzug, einige Jahre ohne Veröffentlichungen. Um 2002 ging er nach Asien und ließ sich in Shanghai nieder, wo er als freier Autor arbeitete, unter anderem für die englischsprachige Wirtschaftspresse, und über die Stadt schrieb, in der er lebte. Er hat später erklärt, was ihn dorthin zog. Shanghai war für ihn der Ort, an dem sich das Tempo besichtigen ließ, das der Westen verloren hatte.

Ab 2007 schrieb er wieder öffentlich, zunächst auf einem Blog über die Stadt, ab 2013 auf einem zweiten mit dem Namen Xenosystems. Der Ton ist nicht der von Meltdown. Land schreibt jetzt in kurzen Absätzen, kommentiert, verlinkt, streitet. Aus dem Denker, dessen Prosa die Beschleunigung vollzog, war ein Blogger geworden.

Der Anstoß für die Wendung kam von jemand anderem. Curtis Yarvin, ein amerikanischer Programmierer, schrieb ab 2007 unter dem Namen Mencius Moldbug einen Blog mit dem Titel Unqualified Reservations, in dem er über Jahre hinweg eine Position entwickelte, die man kaum kürzer als in Tausenden von Seiten wiedergeben kann. Ihr Kern lautet, dass die Demokratie kein Fortschritt war, sondern ein Fehler, und dass die Herrschaft, die sich unter ihrem Namen eingerichtet hat, aus Universitäten, Presse und Verwaltung besteht und niemandem Rechenschaft schuldet. Yarvin prägte dafür einen Ausdruck, der sich hielt. Seine Folgerung war, den Staat wie ein Unternehmen zu führen, mit einem verantwortlichen Eigentümer an der Spitze.

Land las diese Texte und schrieb 2012 eine Serie von Beiträgen, die den Namen The Dark Enlightenment trug und die Yarvins Position für ein europäisches Publikum ordnete, zuspitzte und mit dem philosophischen Apparat verband, den er aus Warwick mitgebracht hatte. Der Titel spielt gegen die Aufklärung, und die Serie machte die Sache bekannt. Was zuvor ein Blog eines Programmierers war, hatte nun einen Namen, einen Theoretiker und eine Ahnenreihe. Du erkennst das Muster aus Band 18. Ein Text schafft eine Bewegung, indem er sie benennt.

Das begriffliche Zentrum stammt von einem Ökonomen, der mit alldem nichts zu tun hatte. Albert O. Hirschman veröffentlichte 1970 ein schmales Buch mit dem Titel Exit, Voice, and Loyalty. Seine Frage war, was Menschen tun, wenn eine Organisation nachlässt. Sie haben zwei Möglichkeiten. Sie können reden, sich beschweren, wählen, streiten, das nannte er Voice. Oder sie können gehen, kündigen, wechseln, das nannte er Exit. Hirschman untersuchte das Verhältnis der beiden und zeigte, dass eine Organisation, die den Ausgang zu leicht macht, ihre Kritiker verliert und deshalb verfällt, weil niemand mehr da ist, der auf Besserung dringt. Sein Buch ist ein Plädoyer dafür, beide Wege offenzuhalten.

Land nimmt die Unterscheidung und wirft eine Seite weg. Voice, so das Argument, ist Demokratie, und Demokratie erzeugt eine Rückkopplung, die er für zerstörerisch hält, weil Wähler Ansprüche stellen und Politiker sie bedienen, ohne dass jemand die Rechnung trägt. Exit dagegen ist eine Rückkopplung, die funktioniert. Wer geht, entzieht Mittel, und ein Gemeinwesen, das Menschen verliert, muss sich ändern oder verschwinden. Daraus folgt das Bild, das die Bewegung ausmacht. Viele kleine Gebiete nebeneinander, jedes anders regiert, jedes ohne Anspruch auf seine Bewohner, dazwischen freie Wahl. Yarvin nannte das Patchwork. Regierung wird darin ein Dienst, den man kauft oder verlässt.

Die Verbindung zum vierten Modul ist damit sichtbar. Was Land vorschlägt, ist die Anwendung der Teleoplexie auf die Politik. Ein System, das Rückmeldung verarbeitet und sich dadurch verbessert, soll den Staat ersetzen, und der Maßstab, an dem gemessen wird, ist derselbe wie in Band 17. Wer besser rechnet, gewinnt.

Zwei Dinge gehören zu diesem Band, weil man sie ungern sagt und weil ihr Fehlen die Sache verzeichnen würde. Land hat in den Jahren nach 2012 Texte veröffentlicht, in denen er Unterschiede zwischen Menschengruppen behauptet und daraus Schlüsse zieht, und er hat einen Ausdruck geprägt, der eine künftige Trennung der Menschheit nach Vermögen und Anlage vorwegnimmt. Die Sache lässt sich nicht als Provokation abtun und nicht als Missverständnis. Sie steht dort, sie ist gemeint, und sie hat in den Kreisen, die sie aufnahmen, ihre Wirkung entfaltet. Zweitens hat dieses Denken über Umwege ein Publikum gefunden, das über Blogs hinausreicht, in Teilen der amerikanischen Technologiebranche und in ihrem politischen Umfeld. Yarvins Name taucht seit Jahren in Berichten über einflussreiche Personen dieser Sphäre auf. Wie weit der Einfluss reicht, ist schwer zu bemessen und leicht zu übertreiben, und ich habe dafür keinen belastbaren Stand.

Damit ist die Frage erreicht, die dieser Band beantworten soll. Folgt das eine aus dem anderen.

Für die Kontinuität spricht mehr, als einem lieb ist. Wer den Menschen für eine vorübergehende Stufe hält, hat kein Argument gegen die Behauptung, dass manche Stufen weiter sind als andere. Wer Intelligenz als Maßstab setzt und Selbstverbesserung zum einzigen Kriterium erklärt, hat eine Rangordnung gebaut, bevor er sie ausspricht. Der Gleichheitsgedanke hatte im frühen Werk keinen Ort, an dem er hätte stehen können, und er fehlt dort nicht als Versehen, sondern als Folge. Band 17 hat gezeigt, dass Lands Intelligenzbegriff so geschnitten ist, dass Kapital ihn erfüllt. Derselbe Schnitt trifft Menschen.

Gegen die Kontinuität spricht ein Befund, der stärker ist und den die Debatte übersieht. Der frühe Land war der Denker der Deterritorialisierung. Sein ganzes Werk lebt von der Auflösung fester Ordnungen, von Fluchtlinien, von der Weigerung, irgendetwas zu befestigen. Was er nach 2012 vorschlägt, ist eine Ordnung. Souveränität, Eigentum, Autorität, feste Grenzen, ein Verantwortlicher an der Spitze. Das ist eine Reterritorialisierung, und Band 5 hat den Begriff dafür geliefert. Der Mann, der geschrieben hatte, dass aus der Zukunft nichts Menschliches heraustritt, entwirft Verfassungen für Kleinstaaten. Wer alles für unaufhaltsam hält, schreibt keine Programme, und ein Programm ist genau das, was hier vorliegt.

Der Widerspruch geht noch tiefer. Der Einwand, mit dem Land die linken Akzelerationisten abfertigte, lautete, dass niemand außerhalb steht und deshalb niemand lenken kann. Dieser Einwand trifft ihn selbst. Wenn kein Außen existiert, gibt es keinen Standpunkt, von dem aus sich eine bessere Ordnung entwerfen ließe, und der Entwurf ist dann bloß eine weitere Bewegung im Getriebe. Land hat dieses Argument gegen andere benutzt und für sich nie beantwortet.

Die ehrliche Antwort lautet deshalb, dass beide Lager recht haben und einander nicht widerlegen. Die Anlage war da. Der Weg war nicht zwingend. Zwischen einer Anlage und einer Entscheidung liegt ein Leben, und in diesem Leben lagen ein Zusammenbruch, ein Kontinentwechsel, eine Isolation und ein Blog. Wer aus dem frühen Werk das spätere ableitet, unterschlägt das Ereignis. Wer beides trennt, unterschlägt die Anlage.

Kernaussage

Land ging nach seinem Zusammenbruch nach Shanghai und schrieb ab 2012 im Anschluss an Curtis Yarvin eine Serie, die der Neoreaktion ihren Namen und ihren theoretischen Apparat gab. Ihr Kern ist die Preisgabe der einen Hälfte von Hirschmans Begriffspaar, denn Voice gilt als schädliche Rückkopplung und Exit als funktionierende, woraus das Bild vieler kleiner Gebiete ohne Anspruch auf ihre Bewohner folgt. Für die Kontinuität zum frühen Werk spricht, dass ein Anti-Humanismus mit Intelligenz als Maßstab kein Argument gegen Rangordnungen kennt. Dagegen spricht, dass der Denker der Auflösung nun Ordnung entwirft und damit den Einwand verletzt, mit dem er seine Gegner abfertigte.

Der Kritiker

Der Fehler im Zentrum ist kein politischer, sondern ein handwerklicher, und er lässt sich benennen, ohne dass man über Werte streiten müsste. Hirschman hat gezeigt, dass Exit und Voice zusammengehören und dass ein System mit leichtem Ausgang verfällt, weil die Unzufriedenen gehen, statt zu drängen, und die Bleibenden nicht mehr genug sind, um etwas zu erreichen. Land nimmt aus diesem Buch eine Hälfte und lässt die Begründung liegen, die die andere Hälfte trägt. Was er als Modell ausgibt, ist der Fall, vor dem seine eigene Quelle warnt.

Der zweite Punkt betrifft die Voraussetzung des ganzen Entwurfs. Exit setzt voraus, dass man gehen kann, und die Fähigkeit dazu ist ungleich verteilt wie kaum etwas sonst. Wer Vermögen hat, mehrere Pässe und eine Arbeit, die überall gilt, wählt zwischen Gebieten. Wer alt ist, arm, krank oder gebunden, bleibt. Ein Modell, das Freiheit auf die Fähigkeit zum Weggehen gründet, verteilt Freiheit nach Mobilität, und Mobilität hat einen Preis. Was als Wettbewerb der Ordnungen erscheint, ist ein Wettbewerb um jene, die zahlen können, und für alle übrigen ist es kein Angebot, sondern ein Urteil. Land hat das nicht übersehen. Es ist der Punkt, den er meint.

Bei den Behauptungen über Menschengruppen endet die Reichweitenbestimmung, die dieser Block sonst leistet. Es gibt hier nichts einzuordnen und nichts mitzunehmen. Die Sätze sind falsch, ihre Bauart ist bekannt, und ihre Geschichte ist lang genug dokumentiert, um sie nicht als kühne Grenzüberschreitung zu behandeln. Ein Lehrgang, der das relativiert, tut so, als sei jede Position eine Linse.

Bleibt eine Ironie, die diesen Band beschließt und die sich nicht auflösen lässt. Land hat die Bewegung, die er theoretisch begründete, mit demselben Verfahren erzeugt, das er in Warwick entwickelt hatte. Er gab einer verstreuten Sache einen Namen, baute ihr eine Ahnenreihe und ließ sie laufen. Es hat funktioniert. Die Hyperstition ist das einzige Stück des frühen Werks, das ihn nie verlassen hat, und sie hat gearbeitet, gleichgültig, wofür. Genau das war die Behauptung. Ein Verfahren, das an der Wirkung gemessen wird und nicht an der Wahrheit, hat kein eingebautes Interesse daran, wem es dient. Band 12 hat gefragt, ob sich eine Theorie-Fiktion von einer Lüge unterscheiden lässt, und diese Antwort ist die vollständigste, die der Lehrgang zu bieten hat.

Brücke zum nächsten Band

Damit liegt alles auf dem Tisch. Der letzte Band zieht die Summe. Er ordnet die sechsundzwanzig vorangegangenen zu einer Figur, prüft, was von der CCRU trägt und was zerfällt, und beantwortet die Frage, die seit Band 1 offen ist, nämlich was es heißt, dieses Denken zu beherrschen, ohne ihm zu gehören.